Teilprojekt „Hilfe zur Selbsthilfe“

Mitglieder der rechtsextremen Szene sind in der Phase der Loslösung in der Regel mit erheblichen Problemen belastet, welche aufgenommen und nach Dringlichkeit bearbeitet werden müssen. Wesentlich ist dabei die soziale Integration, sowie die Schaffung eines neuen sozialen Umfeldes verbundenen mit neuen Werteeinflüssen, wie Wertschätzung demokratischer Prozesse und Strukturen, einschließlich der Grundlagen der Menschenrechte. Mit neuen existentiellen Entwicklungsmöglichkeiten erhöhen sich die Chancen der Verbesserung sozialer Kompetenzen mit dem Ziel, die Förderung von Selbstannahme und Selbstbewusstsein und des Verständnis der eigenen Biografie und Individualität. Je länger die neuen kulturellen und sozialen Umfelder einwirken, um so geringer ist die Gefahr eines Rückfalls oder von Straftaten.

Durch geeignete Maßnahmen:

  1. soll rechtsextremen Jugendlichen „Hilfe zur Selbsthilfe“ gewährt werden. Dabei soll der arbeitsmarktliche Aspekt bei der Ausstiegsberatung und -begleitung gezielt gefördert werden.
  2. soll die Präsenz und der Einfluss eines organisierten Rechtsextremismus und das Ausbreiten einer rechtsradikalen Jugendkultur und ihrer Symbole und Einstellungen gestoppt werden.
  3. sollen Demokratie, Toleranz und Solidarität als Werte eines selbstbewussten Gemeinwesens geachtet und befördert werden, um sich gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung behaupten zu können.
  4. soll die Entsolidarisierung von rechtsextremistisch motivierten Täterinnen und Tätern durch mutiges bürgerliches Einschreiten von Außen und Innen erreicht werden. Insbesondere durch Aussteiger die ihrerseits im Rahmen der Prävention die Demokratie fördern.

Über Kooperationspartner werden ausstiegswillige Klienten vermittelt.

Die Arbeitsorientierung ist bei diesem Teilprojekt ein wesentlicher Bestandteil. Die Orientierung auf Vermittlung in Tätigkeit schafft die Möglichkeit zu neuen Sozialkontakten. Der Klient wird im Arbeitsprozess mit den verschiedensten, auch ehemals verachteten Menschen konfrontiert. Er muss sich auf die neue Situation einlassen, mit den Mitarbeitern auskommen und sich in die Firmenhierarchie, der notwendigen Arbeitsteilung sowie den unterschiedlichsten Sozialeinflüssen unterordnen. Das fördert den Abbau von rassistischen und fremdenfeindlichen Einstellungen. Die gleiche politisch-soziale Wirkung hat auch die Vermittlung in ehrenamtliche Tätigkeit (wie z.B. freiwillige Feuerwehr od. Jugendclub).

Orientierung auf die Arbeitswelt, Vermittlung in Tätigkeit sind deshalb von besonderer Bedeutung im Ausstiegsprozess. Der Aussteiger bekommt damit die Chance sich selbst zu bestimmen, neue Beziehungen außerhalb der Szene zu entwickeln, seine eigenen Fähigkeiten und seine Individualität ausleben zu können.

Aussteiger, die sehr radikal und kompromisslos mit der Szene brechen und teilweise sogar zu Szenegegnern werden können für das Teilprojekt „Prävention“ gewonnen werden.

Das Projekt kann bereits auf eine 8- jährige Erfahrung im Umgang mit dem Klientel und der Thematik verweisen. Die sozialarbeiterischen/sozialpädagogischen Arbeitsansätze haben sich bewährt. Positive Ergebnisse liegen mittlerweile dokumentiert vor. Das Projekt ist aus seiner experimentellen Phase heraus gewachsen und in der Lage, Erfahrungen weiterzugeben, sowie selbständig und beratend zu wirken.